Müllheim-Neuenburg

#20518

Die Strecke Müllheim - Neuenburg ist Teil der von der Rheintalbahn abzweigenden grenzüberschreitenden Nebenstrecke von Müllheim in Baden nach Mulhouse im Elsass. Die insgesamt 22 km lange Strecke umfasst auf deutschem Gebiet eine Länge von 4,6 km. Die Reaktivierung der grenzüberschreitenden Verbindung Mulhouse – Müllheim – Freiburg verknüpft die beiden Oberzentren Freiburg mit rund 226.000 Einwohnern und Mulhouse mit etwa 112.000 Einwohnern in der Stadt und rund 263.000 Einwohnern in der Agglomeration (Mulhouse Alsace Agglomeration) mit einem regelmäßigen SPNV-Angebot. Dabei wird gleichzeitig die rund 12.000 Einwohner zählende Stadt Neuenburg an das Netz der „Breisgau-S-Bahn 2020“ angeschlossen.

Heutiger und künftiger Betrieb
Die erste Stufe der Reaktivierung der Bahnstrecke Müllheim - Neuenburg - Mulhouse waren seit dem Jahr 2006 die sogenannten „Eventverkehre“ an Sonntagen im Sommer und in der Adventszeit mit jeweils sechs Zugverbindungen. Ab Dezember 2009 wurden dann Züge des Regionalverkehrs, die – von Freiburg kommend – zuvor in Müllheim endeten, bis nach Neuenburg verlängert, und der Bahnhof in Neuenburg für eine regelmäßige Bedienung wiedereröffnet. Damit war Neuenburg wieder an das Schienennahverkehrsnetz angebunden. Das Angebot wies jedoch noch deutliche Lücken auf, da es sich bei den verlängerten Leistungen um Verstärkerfahrten der Rheintalbahn in den Hauptverkehrszeiten handelte. Im Dezember 2012 wurde die Bahnstrecke dann wieder für den täglichen grenzüberschreitenden Personennahverkehr reaktiviert, nachdem sie mehr als 30 Jahre nur noch von Güterzügen befahren wurde. Der eingesetzte Dieseltriebwagen, der sogenannte Blauwal, ist wochentags mit sieben Zugpaaren zwischen Müllheim und Mulhouse unterwegs, wovon zwei bis Freiburg durchgebunden sind. An Wochenenden verkehren täglich fünf Zugpaare. Die aktuellen Fahrpläne und Tarife sind unter folgendem Link einzusehen: www.rvf.de

Bauliche Maßnahmen
Die notwendigen baulichen Maßnahmen für die Strecke Müllheim – Mulhouse lassen sich in drei Bauabschnitte/-phasen gliedern:

  • Grenzüberschreitender automatischer Streckenblock, der im Rahmen eines EU-Projekts (Interreg IV) finanziert und 2010 in Betrieb genommen wurde. Ausführliche Informationen zu diesem Projekt sind auf der Seite www.müllheim-mulhouse.eu dargestellt.
  • Der Ausbau auf französischer Seite zwischen Mulhouse und der Grenze bei Chalampé, welcher in den Jahren 2011 und 2012 erfolgte. Der Neu- und Ausbau der Schienen- und Stationsinfrastruktur führte bereits zu einer Fahrtzeitreduzierung von rund 10 Minuten auf derzeit nur noch etwa 25 Minuten Fahrtzeit zwischen Mulhouse und Müllheim.
  • Der Ausbau auf deutscher Seite zwischen Neuenburg und Müllheim im Bereich der Infrastruktur, welcher im Rahmen der Umsetzung des Konzepts „Breisgau-S-Bahn 2020“ erfolgte und bis Ende 2016 umgesetzt werden konnte.

Auf den folgenden Seiten wird der im Rahmen einer achtwöchigen Vollsperrung                    (19.07. -17.09.2016) erfolgte Ausbau auf dem deutschen Streckenteil zwischen der Grenze bei Neuenburg und Mühhleim näher beschrieben. Für die baurechtliche Genehmigung der Ausbaumaßnahme hat ein Planfeststellungsverfahren stattgefunden. Der Planfeststellungsbeschluss wurde im Dezember 2014 durch das Eisenbahnbundesamt erlassen.

 

Wesentliche Baumaßnahmen waren:

  • Neubau des Bahnsteigs mit einer Baulänge von 210 m und einer Bahnsteighöhe von 55 cm über Schienenoberkante einschließlich einer barrierefreien Erschließung mit einem taktilen Leitsystem des Bahnhofs Neuenburg
  • Um- bzw. Neubau der zwei Bahnübergänge „Basler Straße“ km 3,575 in Neuenburg und „Neuenburger Straße“ km 1,351 in Auggen
  • Gleisbaumaßnahmen mit Anpassung der Trassierung darunter auch die Verschiebung der Klemmbachbrücke
  • Anpassung der Oberleitung und der Signaltechnik an die geänderte Gleisführung
  • Bau einer Lärmschutzwand von 230 m Länge und einer Höhe von 1,50 m im Bereich Haydnweg, Silcherweg und Schubertweg
  • Neubau eines Elektronischen Stellwerks (ESTW)

 

Bahnübergänge

Bahnübergang Basler Straße, Neuenburg (Strecken-km 3,575)

Vor dem Ausbau war der Bahnübergang (BÜ) Basler Straße durch eine Blinklichtanlage mit mechanischen Schranken gesichert. Der Fahrdienstleiter in Neuenburg war damit für die Bedienung der Schranken zuständig. Neu wird der Bahnübergang nun automatisch durch eine Lichtzeichenanlage in Verbindung mit Halbschranken gesichert. Die neue Bahnübergangssicherungsanlage wird durch den herannahenden Zug per Fahrzeugsensoren eingeschaltet. Nach dem Überfahren des Bahnüberganges schaltet der Zug die Anlage ebenfalls per Fahrzeugsensoren wieder aus.
Auf dem abgebildeten Plan ist die neue Verkehrsführung im Bereich des Bahnübergangs dargestellt. Für Fußgänger wurde östlich der kreuzenden L134 ein separater Übergang gebaut, der mit zwei Fußwegschranken und zwei zusätzlichen Lichtzeichen gesichert ist. Der vorhandene Zaun wurde neu an die Fußwegschranken angeschlossen, um ein gefährliches Umlaufen der BÜ-Sicherungseinrichtungen zu verhindern.
Zudem entstand auf Wunsch der Stadt Neuenburg in der Basler Straße eine Linksabbiegerspur in Richtung der Straße „Beim Bahnhof“ und mittig zwei Verkehrsinseln, wodurch die Straße und der Bahnübergang entsprechend verbreitert wurden.

Bahnübergang Neuenburger Straße, Auggen (Strecken-km 1,351)



Der Bahnübergang (BÜ) in Auggen war nur durch eine Blinklichtanlage mit Tonsignalen gesichert. Durch die Erhöhung der Geschwindigkeit von 60 auf 100 km/h wurde in diesem Bereich eine Sicherung des Bahnüberganges mit Halbschranken und einer akustischen Warneinrichtung mit Nachtabsenkung erforderlich. Aufgrund der Nähe der Einmündungen zum BÜ wurden drei Seitenlichtzeichen vorgesehen, damit das Gelb- und Rotlicht auch aus diesen Richtungen frühzeitig erkannt werden kann.

Station Neuenburg
Im Rahmen des Projekts „Breisgau-S-Bahn 2020“ wurde die Station Neuenburg an die Infrastruktur angepasst und barrierefrei erschlossen.
Der vorhandene Bahnsteig wurde auf eine Länge von 210 m ausgebaut und dadurch in Richtung Osten um etwa 70 m verlängert. Dabei erhielt der Bahnsteig im östlichen Bereich ein neues Wetterschutzhaus sowie einen neuen Zugang. Der Bahnsteig wurde auf 55 cm über Schienenoberkante erhöht. Zudem wurden im Zuge des barrierefreien Ausbaus der Station der Bahnsteig und die Bahnsteigzugänge mit einem Blindenleitsystem versehen.

Anpassung Trassierung
Um zukünftig einen Stundentakt auf der Strecke gewährleisten zu können, wurde die Streckengeschwindigkeit zwischen km 1,2 und 3,4 von heute 40 – 60 km/h auf 100 km/h erhöht. Dazu war es erforderlich, mehrere Kurvenbegradigungen durchzuführen und in drei Bereichen die Gleise neu zu trassieren. In der unter „Baulichen Maßnahmen“ abgebildeten Grafik sind die drei Bereiche, welche von der Neutrassierung betroffen waren, rot dargestellt. Einige Weichen und Gleise entfielen bzw. wurden an anderer Stelle neu gebaut und neu angebunden. Im Rahmen der Neutrassierung war es auch notwendig, die über den Klemmbach führende Brücke sowie die Oberleitung und die Signaltechnik an die geänderte Gleislage anzupassen. Zudem wurde auf Höhe des Haydnwegs, des Silcherwegs und des Schubertwegs eine 230 m lange und 1,5 m hohe Lärmschutzwand neu errichtet.

Neubau eines Elektronischen Stellwerks
Im Zuge des Streckenausbaus wurde das vorhandene mechanische Stellwerk in Neuenburg durch ein elektronisches Stellwerk (ESTW) ersetzt.
Die Bedienung des ESTW ist weiterhin vor Ort im Empfangsgebäude des Bahnhofs Neuenburg. Das neue Stellwerksgebäude wurde auf DB Netz-Fläche auf der Höhe der Rechtsskurve der Max-Schweinlin-Straße (ca. km 2,780) neu errichtet.

Die Wiederinbetriebnahme der Strecke erfolgte am 17.09.2016.

zuletzt geändert am: Donnerstag, 23. März 2017 11:40
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